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Das Versorgungsprinzip.

Aktualisiert: 24. Aug 2020

Je reicher ein Land, desto höher der Fleischkonsum. Eine einfache Formel, die uns Aufschluss über die derzeitige Nahrungsverteilung und das Prinzip der Versorgung auf unserem Planeten gibt. Durch den Klimawandel und den rasanten Anstieg der Weltbevölkerung kommen wir zwangsläufig an den Punkt, an dem wir etwas verändern müssen.

Denn vor allem in den sogenannten Industriestaaten essen wir Fleisch nicht, weil wir es benötigen, sondern hauptsächlich aus Gründen des Genusses. Ein Exkurs durch die Geschichte kann hier Klarheit bringen.



Zwischen 2016 und 2018, ist das weltweite Produktionsvolumen von Fleisch von 317 Millionen Tonnen auf 327 Millionen Tonnen gestiegen. Fleisch ist ein Massenprodukt. In Argentinien z. B. werden Rinder gezüchtet und dann unter anderem als Steak in Länder wie die Schweiz exportiert, wo diese zu einem Billigpreis gegenüber den einheimischen Fleischprodukten angeboten werden. Obwohl Zucht, Futter und Transport einen immensen Aufwand verursachen, generiert dieses Modell dank der Massenproduktion immer noch Gewinn.


Ein Mythos, der sich hartnäckig hält und welcher meist als Rechtfertigung gesehen wird, wie gehabt mit dieser Massenproduktion fortzufahren, ist, dass der Homo Sapiens Sapiens von Anbeginn seiner Entwicklung nicht nur vom Brot allein lebte, sondern Fleisch als Grundnahrungsmittel bevorzugte. Doch diese Annahme ist schlichtweg falsch. Der Fleischverzehr des frühen Menschen, so belegen wissenschaftliche Funde, ist hauptsächlich der Folge einer Klimaveränderung geschuldet.


Von Beeren, Borken und Nüssen.


Doch lassen Sie uns die Zeit etwas zurückdrehen und in die Vergangenheit reisen. Genauer gesagt 3 Millionen Jahre zurück in die Vergangenheit.

Der frühe Mensch, gemein bekannt als Hominini, war ein Herbivore.

Die Nahrung, die er zu sich nahm, war mancher Orts weniger reichhaltig in der Vielzahl des Angebotes, gleichwohl mag sie aber reichhaltig an Nährstoffen gewesen sein. Früchte, Blätter, Samen, Blüten, Rinden und Knollen bildeten den Hauptspeiseplan der Hominini – als Proteinquelle kamen Insekten hinzu. Die dentalen wie auch gastrointestinalen Fähigkeiten unserer Ahnen waren ebenfalls auf diese Ernährung ausgelegt. Von regelmässigem Fleischverzehr keine Spur.


Als sich dann vor etwa 2.6 Millionen Jahren (frühe Steinzeit) das Klima veränderte, hatte dies ebenfalls signifikant Auswirkungen auf die Umwelt und somit auch auf das Nahrungsangebot. Die Hominini waren gezwungen, alternative Energiequellen aufzutun. Wer jetzt denkt, der frühzeitliche Mensch tat dies als geschickter und erfolgreicher Jäger, liegt gänzlich daneben. Unsere Vorfahren waren Aasfresser und Beuteräuber. Sie machten sich also über das her, was Prädatoren wie z. B. der Säbelzahntiger übrig gelassen hatten oder stahlen es diesen bei günstiger Gelegenheit.


Erst im weiteren Verlauf seiner Entwicklung verfügte der frühzeitliche Mensch über die Werkzeuge, die es ihm ermöglichten, Fleisch zu schneiden oder Knochenmark freizulegen. Die Folge der Hinzunahme von Fleisch als Nahrung war eine Entwicklung des Magen- und Darmtrakts. Es wurde weniger Energie auf die Verdauung von Pflanzenteilen verwendet und die überschüssige Energie stattdessen dem Gehirn zugeführt. Dieses begann sich dadurch explosionsartig vergrösserte. Doch auch diese Entwicklung vollzog sich langsam über Hunderttausende von Jahren.


Auch wenn Fleisch hier zusätzlich zur pflanzlichen Ernährung für eine Entwicklung sorgte, muss eines ganz klar sein: Es war das Versorgungsprinzip.

Unsere Vorfahren hatten das Ziel, bis zum nächsten Tag zu überleben. Für uns moderne Menschen hingegen ist Fleisch lediglich ein Konsumprodukt.


Das Prinzip Masse.

Heute geht es nicht um das Versorgungsprinzip, sondern um das Prinzip der Masse. Gerade einmal fünfzig Jahre ist es her, dass Fleisch als Massenprodukt etabliert wurde.

Waren es 1961 noch 71 Millionen Tonnen Fleisch, die produziert wurden, sind es im Jahre 2018 weltweit 314.16 Millionen Tonnen gewesen. Kurz gesagt: Wir haben die weltweite Produktion also mehr als vervierfacht. Die Folgen dieses gigantischen Wahnsinns sind auf mehre Arten spürbar:


Je mehr Vieh benötigt wird, umso mehr Weidefläche/Futter wird benötigt.

Während die Weidegründe der Rinder in Kenia zum Beispiel immer weiter in die Naturschutzreservate gezogen werden, reduziert sich der Platz für die dort lebenden Tiere immer mehr. Hinzukommt, dass bedrohte Arten wie Löwen durch Gifte getötet werden, welche sich dann wiederum durch Aasfresser im Nahrungskreislauf verteilen.

In Brasilien, dem zweitgrössten Fleischproduzenten der Welt, wird der für das Klima so wichtige Amazonas-Regenwald, der jährlich über zwei Milliarden Tonnen CO2 verarbeitet und ein Fünftel des weltweit verfügbaren Sauerstoffs erzeugt, gerodet, um Weideflächen und Sojaanbau zu ermöglichen. Mit der Zerstörung des Regenwaldes werden also nicht nur der Treibhauseffekt und die Erderwärmung beschleunigt, sondern es werden auch eine Fülle an Arten und Heilpflanzen ausgerottet und zudem der grösste Wasserspeicher des Planeten unwiederuflich vernichtet.


Doch die steigende Fleischproduktion hat nicht nur Folgen für die Umwelt und das Klima. Der durchschnittliche Gesamtfleischkonsum pro Person/Jahr lag 2017 in Amerika bei 124.10 kg, in Deutschland bei immerhin noch 87.78 kg. Dies erhöht wiederum die Risiken von Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes und verschiedene Krebsleiden und hat natürlich damit auch direkte Folgen auf das Gesundheitssystem.


Die Konsequenz.


Wir müssen heute weder Savannen nach Nahrung durchkreuzen, noch brutale Winter in Höhlen überleben. Die Leistungen, die wir heute erbringen, rechtfertigen also in keiner Weise mehr den Konsum und den Verbrauch, den vor allen Dingen wir als Industrienationen für uns beanspruchen.


Wenn wir auf Fleisch nicht verzichten wollen, dann kann das nur konsequent mit einer Erhöhung der Qualität und somit auch der Preise einhergehen. Das heisst, Fleisch darf kein Massenprodukt mehr sein und die Produktion muss gerecht umverteilt werden.


Denn leben wir weiterhin in unserem imaginären Schlaraffenland und passen unsere Ernährungsgewohnheiten nicht umgehend an die Realität an, führt dies langfristig zur Vernichtung unseres Planeten und somit auch zu unserer eigenen.


Quellen:

https://ourworldindata.org/meat-production

https://www.nature.com/scitable/knowledge/library/evidence-for-meat-eating-by-early-humans-103874273/

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