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Der Gottkomplex – Die Geister, die wir riefen.

Aktualisiert: vor 2 Tagen

Innerhalb eines Zeitraums von weniger als 200 Jahren, haben wir den Planeten – der seit 4,6 Milliarden Jahren friedlich in unserem Sonnensystem besteht und die Grundlage unserer Existenz ist – ruiniert. Wenngleich die Auswirkungen eines Kollapses immer evidenter sind, führt die Menschheit weiterhin einen erbarmungslosen Vernichtungskrieg gegen sich selbst. Wir sind gefangen in einem Gottkomplex, der seinen Ursprung in einer Jahrtausende alten Vorstellung hat: Dominium terrae – die Herrschaft über die Erde.



Eine Ursachensuche.


Der Mensch erobert, das hat er schon immer getan. Einst zog er aus in die Wüsten, hoch in die Gebirge, durchkreuzte Flüsse und überquerte die Meere. Als bald begann er zu siedeln, den Boden zu bestellen und das Vieh zu domestizieren.

Ein Zyklus, ein natürlicher Verlauf, Zeit und Umständen geschuldet – wir nennen ihn Evolution.


Millionen Jahre zuvor, hat sich der Mensch jedoch auch damit begnügt, nur das zu nehmen und zu verwenden, was er auch wirklich benötigte. Das funktionierte, ergab Sinn und gab keinen Anlass zur Beschwerde. Man war sich offensichtlich bewusst über das Mitwirken in einem System, das grösser ist als man selbst. Und man akzeptierte, dass es so ist. Doch dann, vor etwa 3.500 Jahren, (hält man sich strikt an die Zeitrechnung, an die wir uns so mit Nachdruck klammern) betrat der Mensch den Weg, der uns zum jetzigen Zustand des Planeten geführt hat.


Es war, und ist, ein unscheinbarer Absatz im sogenannten Buch der Bücher, der einer Offenbarung gleicht. Eingebrannt in das Erbgut, über Jahrhunderte im Geiste kultiviert und durch grausame und blutige Feldzüge in die Fundamente der Zivilisation zementiert.


„Seid fruchtbar und mehrt euch, füllt die Erde und unterwerft sie und waltet über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen!“


Dominium terrae: Unterwerft, erobert, unterjocht!

Ein Vokabular, das kaum eindeutiger sein kann und dem wir uns wortwörtlich, in seinem ganzen Absolutismus verschrieben haben. Wir haben die, die die Weisheit der Vergangenheit besassen und sich dem Kreislauf fügten, gerichtet, ausgebeutet und vernichtet. Denn sie passten schlicht nicht in das System des Dogmas. Es ist zu unserem Imperativ geworden und mit eifrigem Fleiss leben, praktizieren und propagieren wir diese Lebensweise, obwohl die Anzeichen für unsere fehlgeleiteten und destruktiven Programme immer imminenter werden.


Die Geister, die wir riefen.


Sehen wir der Realität geradewegs in die hässliche Fratze: Das Buch hat uns verraten, treibt uns seit Jahrtausenden vor sich her und geradewegs auf den Abgrund zu. Die Zeit, die uns noch bleibt, bevor das komplexe, einzigartige System der Erde kollabiert und dies nicht mehr zu beheben ist, ist limitierter den je. Innerhalb von weniger als 200 Jahren, haben wir diesen Planeten, der unsere Heimat und Grundlage unserer Existenz ist ausgebeutet, vergiftet und misshandelt. Geleitet durch das Narrativ, das suggeriert wir seien schliesslich die überlegene Spezies, die Auserwählten – so steht es nun mal schwarz auf weiss in unseren Schriften. Wir sind nach seinem Ebenbild geschaffen – gottgleich. Wer, wenn nicht wir, sollte denn auch Kontrolle in das Chaos Leben bringen?

Die Folgen sind kaum zu übersehen: Die Geister, die wir riefen, sind bereits der Flasche entsprungen und machen keinen Anstand zurückzukehren.

Mutter Natur begehrt auf, windet sich unter unserer Herrschaft und macht uns unmissverständlich klar, dass ihr Mass des Erträglichen bereits bei Weitem überschritten ist. Artensterben, Meereserwärmung, Gletscherschmelze, Massenmigration, die Liste der Auswirkungen ist endlos, wirklich absehbar sind sie jedoch nicht. Machen wir jetzt keine Kehrtwende, mag der Planet zwar nicht für uns verloren sein, jedoch für unsere Kinder und die nachfolgenden Generationen.


Die Weg zum Gleichgewicht.


Wir sind zerrissen, leiden. Warum? Weil wir tief im Innern wissen, dass wir verknüpft sind mit diesem Planeten und dennoch einer Anomalie folgen, die uns in die entgegengesetzte Richtung drängt. Hinzu kommt die Angst, eine Realität zu entdecken, die uns kleiner macht, als wir uns jemals gedacht haben.


Wer sind wir, wenn wir unsere Stellung aufgeben? Wer sind wir, wenn wir das akzeptieren, was klar und deutlich vor uns ausgebreitet liegt, und wenn wir willens sind es zu sehen?


Die Antwort ist einfach: Wir sind Mensch, fehlbar und vergänglich. Ein legitimer Teil eines Kreislaufs, in den wir bereits hineingeboren werden. Wir müssen unseren Planeten nicht beherrschen, nicht unterwerfen, sondern ihm dienen, indem wir unsere Bewusstseinsstufe nutzen. Gleichermassen wird er uns auch dienen.


Voraussetzung aber ist, dass wir unsere bisherigen Konditionierungen und Programmierungen durchbrechen und ablegen. Vielleicht können wir so unseren Gottkomplex überwinden und es kehrt Frieden ein, in den Tiefen unseres Selbst.

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